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Nachversteuerung Gewinnfreibetrag
21.02.2019 [leitnerleitner - Steuerrecht]
Durch die Inanspruchnahme des Gewinnfreibetrages kann die Steuerbelastung der selbständigen Einkünfte eines Arztes reduziert werden. Der Freibetrag beträgt 13 % für die ersten EUR 175.000,00 des Gewinns, 7 % für die nächsten EUR 175.000,00 und 4,5 % für weitere EUR 230.000,00. Für Gewinne bis zu EUR 30.000,00 steht der Gewinnfreibetrag (Grundfreibetrag) automatisch zu. Für den EUR 30.000,00 übersteigenden Gewinn sind zur Nutzung des Gewinnfreibetrages Investitionen notwendig.
Begünstigte Investitionen sind langlebige Wirtschaftsgüter (Nutzungsdauer mindestens 4 Jahre) oder bestimmte Wertpapiere. Die Investitionen müssen vier Jahre im Betriebsvermögen verbleiben, ansonsten ist der Gewinn nachzuversteuern. Bei einer Betriebsaufgabe oder -veräußerung führen jene Wirtschaftsgüter, bei denen die Behaltefrist noch nicht abgelaufen ist, zu einer Nachversteuerung.

Der Bundesfinanzgerichtshof (4.9.2017, RV/4100160/2013) hat aktuell bei der Betriebsaufgabe eines Gutachters entschieden, dass Gewinnfreibetragswertpapiere zwingend ins Privatvermögen übernommen werden müssen und die steuerfreien Gewinne der letzten vier Jahre nachzuversteuern sind. "Nachträgliches Betriebsvermögen" gibt es steuerrechtlich nicht.

TIPP
Ist geplant den Betrieb in vier Jahren aufzugeben oder zu veräußern und ist die Gewinnsituation konstant oder gut schätzbar, so könnten schon zu Beginn des Jahres 2019 zB begünstigte Wertpapiere gekauft werden und der Beendigungszeitpunkt in vier Jahren in einem Monat nach dem Kauf der Investitionen gewählt werden. Beispiel: Kauf Wertpapiere Februar 2019, Betriebsaufgabe Ende März 2023 (Wertpapiere aus 2019 haben im März 2023 bereits die vierjährige Behaltefrist erfüllt, d.h. keine Nachversteuerung)