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Neues zum Gesellschafterverrechnungskonto
02.01.2017 [leitnerleitner - Steuerrecht]
Werden dem Gesellschafter einer GmbH Geldmittel überlassen oder von der Gesellschaft Aufwendungen für den Gesellschafter übernommen, kann bei Verbuchung am Gesellschafterverrechnungskonto entweder eine Kreditgewährung oder eine verdeckte Ausschüttung (kapitalertragsteuerpflichtig mit 27,5 %) vorliegen. Diese Forderungen der Gesellschaft gegenüber dem Gesellschafter sind häufig Thema von Betriebsprüfungen.
Grundsätzlich leitet die Finanzverwaltung aus der Judikatur des VwGH Folgendes ab:

Bei Verbuchung des überlassenen Geldbetrags auf dem Verrechnungskonto des Gesellschafters kann eine verdeckte Ausschüttung nur dann vorliegen, wenn im Vermögen der Gesellschaft keine durchsetzbare Forderung an die Stelle des überlassenen Geldbetrages tritt ("werthaltiger Aktivtausch"). Dies ist dann der Fall, wenn eine Rückzahlung des auf dem Verrechnungskonto verbuchten Geldbetrags von vornherein durch den Gesellschafter nicht gewollt war oder wegen absehbarer Uneinbringlichkeit nicht zu erwarten war. Die Uneinbringlichkeit ist absehbar, wenn der Gesellschafter über keine ausreichende Bonität bzw die Gesellschaft über keine ausreichenden Sicherheiten verfügt, sodass es absehbar ist, dass der kreditierte Betrag (samt Zinsen) bis zum vereinbarten Ablauf der Kreditdauer nicht beglichen werden kann.

Wie die Prüforgane im Zuge einer Betriebsprüfung bei Vorliegen eines solchen negativen Gesellschafterverrechnungskontos konkret vorzugehen haben, wurde nun im Rahmen des heurigen Salzburger Steuerdialogs durch die Finanzverwaltung erörtert. Demnach sind folgende Prüfschritte zu setzen und einer genaueren Beurteilung zu unterziehen:

Bei Vorliegen einer fremdüblichen, längerfristigen Kreditvereinbarung ist zu prüfen, ob auf Basis der Bonität des Gesellschafters mit der Rückführung in der vereinbarten Form zu rechnen ist. Andernfalls ist von Vornherein von einer verdeckten Gewinnausschüttung auszugehen. Bei kurzfristiger Geldmittelüberlassung (was bei fehlender Vereinbarung eines Kreditrahmens und einer Kreditdauer anzunehmen ist) muss die Verzinsung höher sein und eine kurzfristige Rückzahlung (innerhalb eines Jahres) auf Basis der Bonität des Gesellschafters möglich sein. Die Bonität ist anhand der laufenden und voraussichtlich künftigen Einkünfte (ohne ungewisse künftige Gewinnausschüttungen), der Ersparnisse, des sonstigen freien Vermögens sowie der Schulden des Gesellschafters zu beurteilen. Insbesondere bei einer Kreditierung über EUR 50.000,00 und über drei Jahre müssen Sicherheiten gewährt werden, außer der Gesellschafter verfügt über eine sehr gute Bonität. Auf eine Verschlechterung der Bonität des Gesellschafters muss durch Bestellung von Sicherheiten reagiert werden (zB Eintragung einer Hypothek).